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Heilmittel-Regress-Drohung
gegen hessische Ärzte
In
den letzten Wochen sind in über 1100 hessischen Arztpraxen Regressandrohungen
wegen Überschreitung der "Richtgrößen zur Heilmittelverordnung"
eingegangen. Von den Kinder- und Jugendärzten sind über 30% betroffen . Was
heißt das? Keine
andere Arztgruppe hat es mit so vielen Kindern mit und ohne Behinderungen zu
tun, wie es naturgemäß bei uns Fachärzten für Kinderheilkunde und
Jugendmedizin der Fall ist. Durch unsere langjährige Ausbildung sind auch
ausschließlich wir für die Versorgung der Kinder mit Entwicklungsauffälligkeiten
ausreichend qualifiziert. Es muss jedem klar sein, dass bei einer Richtgrößenüberschreitung
von mehr als einem Drittel aller Kinder- und Jugendärzte die Richtgrößen
falsch sein müssen. Darüber hinaus scheint es bei einigen Kinder- und Jugendärzten
nur deshalb nicht zu Regressforderungen gekommen zu sein, weil
sogenannte Pseudoziffern bei der Abrechnung vor der Prüfung durch den Prüfungsausschuss
berücksichtigt wurden. Dies hat zur Folge, dass noch weitere Kinder- und Jugendärzte
mit Regressen zu rechnen haben, gleichzeitig aber noch klarer wird, dass die
Richtgröße völlig falsch bemessen ist.
4.um
eine gesellschaftspolitisch geradezu aberwitzige Maßnahme: Kinder
sind das Kapital der Zukunft, sie sind diejenigen, die unserer Renten
finanzieren, die die Überalterung der Gesellschaft auffangen müssen. In ihre
Gesundheit, Entwicklung und Bildung müssen wir soviel investieren, wie möglich
ist. Die Gesundheitsausgaben für Kinder unter 15 Jahren betragen nur 6% der
gesamten Kosten des Gesundheitswesens - und ausgerechnet an dieser Gruppe soll
weiter gespart werden? Wenn geklagt wird, dass Kinder beim Schuleintritt
sprachlich auffälliger und motorisch ungeschickter geworden sind, dann muss
bessere, effektive Vorsorge betrieben und, wenn nötig, auch Therapie verordnet
werden. Wenn
jetzt die inzwischen politisch beschlossene „Sprachstandserfassung“ im
Kindergarten eingeführt wird und Kinder-Vorsorgeuntersuchungen in Zukunft
verpflichtend sein werden, kommen weitere behandlungsbedürftige Kinder zu uns.
Die Kosten werden also noch weiter steigen, was den schon jetzt zu niedrigen
Richtwert vollends absurd macht. Die Gesellschaft, die hessische Landesregierung
und vor allem die Vertreter der Krankenkassen müssen sich darüber klar werden,
was sie bereit sind, für die Entwicklung unserer Kinder zu tun und zu bezahlen.
Wie stellen sich Politiker und Kassenmanager z.B. die Umsetzung von Fördermaßnahmen
für Kinder mit Entwicklungsstörungen vor? Unsere Forderungen: •Diese
Regressandrohungen müssen weg, sie bedrohen indirekt auch die Existenz vieler
Therapeuten! •Die
Richtgröße für Heilmittel geht in dieser Form einseitig zu Lasten der
Patienten und Arztpraxen, sie muss an den realen Bedarf angepasst werden! Wir,
die Kinder- und Jugendärzte im Pädnetz Frankfurt und Umgebung haben Verständnis,
wenn unter den derzeitigen Umständen einige Kolleginnen und Kollegen nicht so
ohne weiteres eine Heilmittelverordnung ausstellen - viele von uns haben
schlicht Angst um ihre berufliche Existenz! Trotzdem werden wir alles tun, um
unsere jungen Patienten nicht unter dieser unerfreulichen Auseinandersetzung
leiden zu lassen und wollen alle notwendigen Therapien weiterverordnen. |